Zwischen Tradition und Moderne

Transformation in der Bildung: Warum wir keine andere Wahl haben

Was hat ITK mit Bildung zu tun und warum verändert das Internet der Dinge nicht nur unsere Lebenswelt, sondern auch das Lernen und Lehren in unserer Gesellschaft?

Wir leben ohne Zweifel in einer Zeit, die von Geschwindigkeit und Effizienz geprägt ist. Geschwindigkeit bedeutet heute, schneller Informationen zu erhalten und verarbeiten zu können. Zum Beispiel, um sie zu verbreiten. Und Effizienz? Wikipedia spricht von „optimaler Verwendung von Produktionsfaktoren“ oder auch vom  „rationalen Umgang mit knappen Ressourcen.“ Oder allgemeiner „als das Verhältnis zwischen erreichtem Erfolg und dafür benötigtem Mitteleinsatz.“ Beides sind Kernbereiche sowohl von Informationstechnologie als auch der gesellschaftlichen und beruflichen Welt.

Die OECD sagte dazu bereits 2006: „Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist mit beispiellosen weltweiten Informations-, Güter-, Personen-, Kapital- und Ideenströmen verbunden und schließt zahllose Menschen über geographische  Grenzen  hinweg  bei  unerheblichen  Marginalkosten  zu  gewaltigen  Netzwerken zusammen. IKT … hat tiefgreifende Konsequenzen für den Bildungssektor, nicht nur weil IKT neue Formen des Lernens erleichtern  kann,  sondern  auch  weil  es  für  junge  Menschen  im  Hinblick  auf  ihren  Erfolg  im Erwachsenenleben heute wichtig ist, IKT zu beherrschen.“ Quelle: OECD, 2006

ITK ist also nicht nur längst in der Gesellschaft angekommen, sondern darüber hinaus ein wesentlicher Faktor für Erfolg . Was hat das mit Bildung zu tun?

Transformation beginnt im Kopf

Derzeit existieren auf dem Arbeitsmarkt mehrere Generationen nebeneinander. Laut der Organisation AARP befinden wir uns in einer Phase, in der die Arbeitnehmerdemographie erstmals vier Generationen umspannt. Jüngere Generationen (insbesondere die Generation Y) haben völlig andere Erwartungen in Bezug auf Arbeit und Freizeit. So betrachten es weltweit drei von zehn Studierenden (29 Prozent) als ihr Recht – mehr als ein Privileg –, dass sie mit dem Eintritt in das Berufsleben auch remote und zu flexiblen Zeiten arbeiten können. (Cisco, November 2011) Ob wir die jüngsten, talentiertesten Nachwuchskräfte einstellen können, hängt also auch davon ab, inwieweit wir ihre Erwartungen erfüllen und ob wir ihnen im Arbeitsalltag die richtigen Werkzeuge für Kommunikation und Zusammenarbeit zur Verfügung stellen können. Der „klassische“ Ansatz, 8 Stunden im Betrieb oder Büro zu sein, weicht längst zugunsten einer flexiblen Handhabung von Arbeitszeit, unabhängig von Ort und Zeit, auf.

Und nicht zuletzt sind die Cloud und die damit verbundenen Online-Dienste für einen grundlegenden Wandel verantwortlich, wie wir Software und Anwendungen bereitstellen und nutzen. Laut IDC werden die Ausgaben für Cloud-Dienste bis 2020 die 60-Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten, und mehr als 50 Prozent der Kunden befinden sich bereits „auf dem Weg“ in die Cloud.

All das erfordert enorme Anstrengungen im Bereich der Schulen und der Vermittlung von Medienkompetenz.

In einer Welt, die immer stärker durch digitale Technologien geprägt wird, ist digitale Kompetenz die entscheidende Voraussetzung für Bildung, beruflichen Erfolg und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Bisher gelingt die Vermittlung digitaler Kompetenz jedoch nur bedingt. So liegen deutsche Achtklässler mit ihren Computer- und Internetkenntnissen im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld.

Jeder dritte deutsche Schüler verfügt nach wie vor nur über rudimentäre Fertigkeiten im Umgang mit neuen Technologien und Kinder aus sozial schwachen Familien schneiden besonders schlecht ab.

Transformation versus Tradition

Weltweit haben Experten aus Bildung und Politik die Notwendigkeit erkannt, dass Innovationen in der schulischen Bildung erforderlich sind, um junge Menschen auf das Leben und die Arbeit im 21. Jahrhundert einzustimmen. Moderne, kompetenzorientierte Unterrichtskonzepte und der effektive Einsatz von neuen Medien spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung wichtiger Schlüsselqualifikationen. Dabei sind vor allem Schulen und Lehrkräfte gefragt, Lehr‐ und Lernprozesse mit innovativen Ideen zu gestalten und zu verändern.

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen ist die Notwendigkeit gestiegen, Bildung daran anzupassen. Mit der Wandlung von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft wird es notwendig, Bildung und Ausbildung im Kern zu modernisieren, um nicht international den Anschluss zu verlieren. Wir müssen die richtigen Entscheidungen treffen, nicht erst in der Schule, sondern bereits bei der Lehrerausbildung. Akademische oder ideelle Diskussionen helfen dabei nur wenig weiter.  Und auch unsere Kinder und Jugendlichen werden entgegen der landläufigen Meinung nicht „automatisch“ zu kompetenten Fachleuten durch extensive Nutzung von Trend-Apps, sondern benötigen gerade pädagogische Beratung und didaktische fundierte Konzepte.

Transformation als permanenter Prozess

Lernende in allen Ländern wünschen sich gleichermaßen herausfordernde wie vorbereitende Bildungswege für eine bessere Zukunft. Andererseits ist auch für den zunehmenden Mitbewerbsdruck in jedem Markt entscheidend, dass Bildung inspiriert, sich dieser Herausforderung stellt und somit alle Lernenden befähigt, innovativ zu sein und zu bleiben.

Technologisch bewegen wir uns auf eine Welt zu, die deutlich mehr als Mouse, Keyboard oder Touch zulässt. Wir gehen vielmehr in eine Richtung, die sowohl mehr physische Interaktion als auch kontextuelle Erkennung beinhaltet. Das sogenannte Internet of Things (IoT) steht bereits vor der Tür.

Die Welt der Endgeräte entwickelt sich stetig und neue Geräte kommen fortlaufend auf den Markt. Das Verhalten der Endbenutzer integriert mehr und mehr davon auch in den Lernprozess. Nicht das Gerät an sich wird wichtiger, sondern die Möglichkeiten, damit Zugang und Zugriff auf relevante Informationen zu erhalten. Die Auseinandersetzung damit und die medialen Kompetenzanforderung in der Bewertung und im Einsatz müssen ohne Zweifel Teil einer Bildungspolitik werden, damit die aktuellen und nachfolgenden Generationen eben nicht nur „User“ sondern mündige mediale Bürger werden. Kategorische Verbote oder Ignoranz sind da sicherlich nicht der richtige Weg.

Auch das massive Angebot von Cloud-basierenden Infrastrukturlösungen zeigt längst Auswirkung. Es zeichnet sich ein Wandel im Nutzerverhalten ab, der sich weg vom traditionellen Gerät oder der gewohnten Software und hin zum Bedarfsmodell (on demand) bewegt. Dieses Modell ist nicht nur flexibler, sondern ermöglicht es, dass etwa Schulen und Universitäten auf Kapazität und Leistungsfähigkeit zugreifen können, die bisher nur denjenigen zur Verfügung standen, die auch die entsprechende Infrastruktur im Haus zur Verfügung hatten. Und zwar zu günstigeren Konditionen, als permanent Hardware anzuschaffen. Es gibt bereits Tausende von Schulen, die das erkannt haben und nutzen, sei es durch Infrastruktur-Lösungen wie Office 365, On-demand-Abruf von Medien, flexible Ablagemöglichkeiten oder auch die Automatisierung von zeit- oder rechenintensiven Prozessen.

Zusammenfassung

Transformation in der Bildung ist keine Einzelaufgabe, sondern erfordert gemeinsames Denken und Handeln.  In einer globalen Welt ist es umso wichtiger, Chancen zu erkennen und zu nutzen. Transformation in der Bildung ist dabei eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft. Sie muss nur genutzt werden.

Just my 2 cents ... von Ulrich Sawade

© AixConcept Ulrich Sawade

Ulrich Sawade

Transformation in der Bildung ist keine Aufgabe für den Einzelnen, sondern erfordert gemeinsames Denken und Handeln.